S-Bahn Berlin Geschichte – Die große Elektrisierung 1924-1933

2. Die große Elektrisierung 1924-1933

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Berliner_S-Bahn:
Nach dem Ersten Weltkrieg kamen wieder Überlegungen auf, das gesamte Netz des Vorortverkehrs zu elektrifizieren. Nachdem man sich anfangs auf einen Oberleitungsbetrieb mit 15 kV, 16 2/3 Hz Wechselspannung geeinigt hatte, ging man nach einer weiteren Wirtschaftlichkeitsberechnung schließlich zum Betrieb mit seitlich von unten bestrichener Stromschiene und 800 V Gleichspannung über. Anstelle der weiteren Verwendung der inzwischen verschlissenen Wagen aus dem Dampfbetrieb sollte jetzt doch ein neuer Fahrzeugpark von Triebwagenzügen beschafft werden. Die nördlichen Strecken boten sich, auf Grund des geringeren Verkehrs ideal für den Testbetrieb an, so dass am 8. August 1924 die erste Strecke vom Stettiner Vorortbahnhof nach Bernau in Betrieb gehen konnte. Bis 1927 wurden die anderen beiden Nordstrecken ebenfalls elektrifiziert. Die erste Baureihe der Bauart Bernau (spätere Baureihe ET 169) waren vielmehr Testfahrzeuge, als dass sie auf Dauer eingesetzt werden konnten. Zwischen zwei längeren Triebwagen waren drei kürzere Beiwagen eingespannt, eine recht ungewöhnliche Anordnung. Bereits ein Jahr später wurde mit der Bauart Oranienburg (spätere Baureihe ET 168) eine Wagenaufteilung getroffen, die bis heute Gültigkeit hat: Sämtliche Wagen (Trieb-/Steuerwagen und Beiwagen) weisen eine fast identische Länge auf. Im Betrieb war immer ein Triebwagen mit einem Steuer- oder Beiwagen fest gekuppelt, diese Zusammenstellung wurde Viertelzug genannt. Zwei Viertelzüge bildeten einen Halbzug, drei einen Dreiviertelzug und vier einen Vollzug. Ein Halbzug entsprach von der Länge her einer 5-Wagen-Einheit der Bauart Bernau. Doch auch die Oranienburger Züge konnten die Deutsche Reichsbahn nicht vollständig befriedigen. Die Stadtbahnstrecke sollte samt den zugehörigen Vorortstrecken elektrifiziert werden.

1927 wurden die ersten Züge der Bauart Stadtbahn (spätere Baureihe 475) ausgeliefert, insgesamt wurden bis 1932 688 Viertelzüge geliefert. Ihren ersten Einsatz hatten die Züge, daher der Name, auf der Stadtbahn, als diese am 11. Juni 1928 dem elektrischen Betrieb übergeben wurde. Zuvor mussten Bahnhofsanlagen und Signaltechnik aufwendig geändert werden, allein die Erhöhung der Bahnsteige von 760 mm auf 960 mm erforderte eine besondere Genehmigung. Dafür durfte man sich Anfang der 1930er damit rühmen, eines der modernsten Verkehrsmittel der Welt zu besitzen. Allein im Jahr 1928, dem Jahr der Großen Stadtbahn-Elektrisierung, gingen über 115 km Strecke ans elektrische Netz. Zum 1. Dezember 1930 wurden schließlich die Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen unter dem Namen S-Bahn zusammengefasst, Symbol sollte ein weißes S auf grünem Grund sein, als Gegenstück zum blauen U der Berliner U-Bahn. Die Weltwirtschaftskrise macht auch nicht vor der Bahn halt, die Große Elektrisierung hatte jedoch schon ihren Höhepunkt überschritten und das Grundnetz stand. Bis 1930 waren alle Vorortstrecken bis auf die Wannseebahn elektrifiziert, 1933 folgte diese erste Berliner Vorortstrecke gleich doppelt: Neben den Vorortgleisen wurden auch die Ferngleise zum Potsdamer Bahnhof mit einer Stromschiene versehen, eigens für diese Express-S-Bahn wurden 51 Viertelzüge der Bauart Stadtbahn gekauft, jedoch mit einem stärkeren Motor versehen. Dieser konnte Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h fahren. Die neuen Züge waren nun als Bankierszüge bekannt. Hinter dem Bahnhof Zehlendorf fuhren sie als normale S-Bahn weiter bis nach Wannsee und Potsdam.

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